Zur Kulturgeschichte Königsteins

 

Obwohl Königstein eine wichtige Burg besaß, und der Höhenbach zu einem Ausbau der Mühlen führte, war die Gewerbeansiedlung bis auf Gerbereien, Walkmühle, Pulvermühle und Getreidemühlen nicht so sehr umfangreich. Königsteins Bürger waren auch Ackerbürger mit landwirtschaftlichen Anwesen in der Stadt und Bewirtschaftung der Außengelände. Bei unserer Spurensuche wollen wir in der Stadt die noch vorhandenen Höfe suchen und auf der Grundlage des vorliegenden Textes die Lebensbedingungen der Königsteiner Bürger verstehen. Bei diesem Vortrag in der Stadt wollen wir auch noch sichtbare Gebäude und Anlagen aufspüren. Der zweite Teil der Kulturgeschichte der „Ackerburger“ wird eine Begehung des Woogtals sein, und ein Blick auf den Bangert. Hier fanden der Grünschnitt und die Heuernte zur Versorgung der stallgehaltenen Tiere, statt. Dabei wurde hier mit der ersten und zweiten Mahd des Heues gearbeitet. Eine durchaus Ökologische und ertragreiche landwirtschaftliche Technik. Hier schließt sich der Kulturbogen, weil wir im Woogtal genau diesen Schritt der zwei Mahden wieder gehen wollen. Ziel heute ist es, die Böden abzumagern und damit die Blumen Vielfalt im Woogtal wiederherzustellen.

 

Begriffsklärung Ackerbürger

Die Begrifflichkeit setzt sich zusammen aus Acker und Bürger. Das bedeutet aber nicht, dass diese Bürger mehrheitlich von der Scholle lebten. Der Ackerbürger Königsteiner Prägung lebt nicht von der Bewirtschaftung des Landes. Es war in der Regel eine nebenerwerbliche Einkunft zu den hauptberuflichen Einkünften. Gleichwohl diente diese Tätigkeit aber auch zur Versorgung der städtischen Gemeinschaft und zur Versorgung der Reisenden mit bspw. Lebensmitteln und Obst. Auf diesem Hintergrund ist auch die Spurensuche nach Hofreiten und Gewerbebetrieben zu sehen. Die Gewichtung des Wirtschaftslebens nach Anteilen der beiden Erwerbsformen war zwischen den Städten und den kleinen Städten mit 1000- 2000 Einwohnern durchaus sehr unterschiedlich.

Einleitung

Die Taunusvorstufe   wurde erst im Hochmittelalter in die Siedlungslandschaft einbezogen. Die Rodungen und deren Namensgebungen mit -Stein-hain-berg-burg, heim Eppstein, Königstein, Kronberg, Homburg, im Gegensatz zu Eschborn, Steinbach, Kelsterbach, Sulzbach in der Beckenlandschaft bezeugen dies. Königsteins Eintritt in die Geschichte zu Beginn des 13. Jh. um 1215 war nicht das Ergebnis des eines lokalen Herrschers mit räumlicher Machtabsicherung, sondern es war die Sicherung königlicher Politik durch Absicherung einer der wichtigsten Reichsstraßen, Frankfurt nach Köln, und deren Vergabe an ein Reichsministerialengeschlecht, hier Hagen-Münzenberg. Mit dieser Burg ist eine Lokalisation für eine unterhalb der Burg gelegene Siedlung gegeben. Der unterhalb der Burg liegende Siedlungsteil wurde bald ummauert und war eine Gewerbesiedlung und Raststation nach dem Aufstieg aus der Rhein-Main-Ebene. Hier lebten Gastwirte, Kleinhändler, Hufschmiede und Fuhrleute. Die Verleihung der Stadtrechte 1313 allerdings ohne die Vergabe von Wochenmarktrechten, kennzeichnete die territoriale und rechtliche Konsolidierung des Herrschaftsgebietes, brachte allerdings keine oder nur geringe wirtschaftliche Einkünfte. Die Herrschaft der Münzenberger Reichsministerialen endete 1255 und wurde fortge -führt von den mit Münzenberg verschwägerten Reichsministerialien von Bolanden-Falkenstein. 1294 wird die Burg ausdrücklich als Reichslehen genannt. Königstein ist jetzt das organisatorische Zentrum der Herrschaft. Philipp von Falkenstein kann daher daran denken, die Stadtrechte für Königstein zu erwerben was ihm auch 1313 gelingt. Die Lebenskraft der kleinen Gemeinde war die günstige Lage an der Fernstraße, so dass zur ummauerten sogenannten Altstadt bereits 1359 die Siedlung zum Tal belegt ist. Durch Erbteilung nach Tod entstand die Linie Eppstein-Königstein. Die Burg wurde Residenz und das trug zur  Weiterentwicklung der kleinen Stadt bei. Die Herrschaft der Eppsteiner wurde durch den kinderlosen Graf Eberhard 1535 beendet. Er hatte seinen Neffen Ludwig von Stolberg und dessen Bruder Christoph zum Gesamterben der unteilbar bestimmten Grafschaft eingesetzt. Durch den Bau einer Wasserversorgung der Talsiedlung, des Höhenbachs, entstanden weitere Mühlen und Gerbereien und trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Die Mühlen waren Getreidemühlen und eine Pulvermühle. Die Nähe zur Reichsstadt Frankfurt war Segen und Fluch zugleich. Um 1550 verboten die Frankfurter Tuchmacher den Verkauf des beliebten Königsteiner Tuchs auf dem Markt in Frankfurt, sehr zum Leidwesen der Königsteiner. Der Landbesitz der Königsteiner war um 1510 überschaubar.  Noch 1730 weisen die Königsteiner Grundbesitzverhältnisse 678 Morgen aus, Das entspricht 1.695.000 m². oder ca. 24 Fußballfeldern. Für die Holzversorgung war man auf die Mitnutzung des Sulzbacher Markwaldes angewiesen. Die Herrschaft der Stolberger endete durch den Tod des kinderlosen Grafen und der Kaiser sah das Erblehen als heimgefallen an. In einer undurchsichtigen Rechtslage setzte sich das Kurfürstentum Mainz gegen die Stolberger durch und es kam zu einem entscheidenden Bruch in der Geschichte Königsteins, durch die Aufhebung der Hofhaltung und die Übernahme Königsteins in die kurfürstliche Verwaltung. Das Schloss wurde auf seine Funktion als Festung reduziert, nicht ohne Folgen für die weitere Entwicklung der kleinen Stadt.Im 17 Jhdt. war der dreißigjährige Krieg das prägende Ereignis. Weder Stadt noch Festung waren von weiterer Zerstörung betroffen, dennoch war Königstein zu einem völlig verarmten Ort herabgesunken. Die Lage an einer der wichtigen Reichstraßen bedeutete Bereitstellungsräume für militärische Operationen und damit verbundene Belastungen der Bevölkerung. Die Bevölkerungszahl lag zwischen 250 bis 300 Einwohner. Die Bürgerwehr umfasste zu stolbergischer Zeit 1573, noch 110 wehrhafte Männer. 1636 wurden noch 40 Männer gezählt und 1638 waren es nur noch 35 Aktive. Beispielsweise verlangten 1636 kurfürstliche Reiter von der Bürgerschaft die damals riesige Summe von 7223 Gulden 1655 zählte man 51 Bürger und 6 Witwen. Bis 1668 hatte sich die Einwohnerzählung auf 431 Einwohner und 101 Häuser verändert. In einem Bericht über das neue Rentamts Gebäude (Amtsgericht) wird die Wasserversorgung gelobt. Der Höhenbach durchfließt die Hauptstraße und auch die staatlichen Einnahmequellen werden mit Bier, Wein und Gastgewerbesteuern mit sechs Gasthäusern an der beliebten Fernstraße benannt. Als weitere Einnahmequelle diente die Fernstraße bereits 1399 wird das Kaufmannsgeleit von Bockenheim bis Esch erwähnt. In der Folgezeit des langen Krieges gab es eine stabile Verwaltung des Kurfürstentum Mainz, mit Ober Amt, Rentamt und dem Stadtschultheißenamt. In diese Zeit fiel auch die Modernisierung der Burganlage und ihr Umbau zur zeitgemäßen Festungsanlage, nach den Vorgaben von Vauban, dem bekannten Festungsbaumeister von Ludwig XIV. Das 18 Jh. und der Beginn ist natürlich nicht geschichtslos geschehen, aber ohne zumindest intensiv dokumentierte Ereignisse für die kleine Stadt. Ab 1789 begann die Stadtgeschichte wieder leidvoll und auch für das Kurfürstentum Mainz aufregend zu werden. Christoph Schlott hat mit seinen Forschungen zur ersten Demokratie einen immensen Beitrag geleistet. Deshalb hier nur einige Fakten in kurzer Darstellung. Durch die Kämpfe in den Revolutionskriegen zwischen dem revolutionären Frankreich und den feudalen Monarchien des restlichen Teils Europas geriet Königstein durch den Beschuss der Preußen in arge Bedrängnis; 46 Wohnhäuser und 29 Scheunen wurden 1792 zerstört. In der Folgezeit wechselte die Festung mehrfach den Besatzer, und auf dem französischen Rückzug 1796 aus deutschen Gebieten wurde die Festung gesprengt. 1797 wurde das Werk durch die Freigabe der Versteigerung des Abbruchmaterials. vollendet. 1803 endete auch die kurmainzische Herrschaft über Königstein, durch den Reichsdeputationshauptschluß und die damit verbundene Auflösung des Macht- und Besitzstandes der Katholischen Kirche in den damaligen deutschen Staaten. Die nassauische Herrschaft begann 1803 und war ein entscheidender Bruch. In der Königsteiner Stadtgeschichte verlor Königstein dadurch die Unterstützung des reichen Kurmainz. Denn durch die Zerstörungen der Kriege der feudalistischen Staatengemeinschaft gegen das revolutionäre Frankreich war das kleine Königstein wirtschaftlich in einer sehr schwierigen Lage. Die Bevölkerung war sehr verarmt. Und Napoleon war noch nicht besiegt. In den Folgekriegen wurden mehrfach Truppen in Königstein einquartiert. Königstein zählte damals 900 Einwohner und bei einer ausbrechenden Typhusepidemie starben 53 Königsteiner. Ob die Rettung nahte, wusste man noch nicht als sich Preußen und Bayern und auch Feldmarschall Blücher im Gasthaus Grüner Baum in der Hauptstraße in Königstein einquartierten. Nassau war damals noch im Rheinbund, einer napoleonischen Bündnisschöpfung, erst in der Schlacht bei Waterloo waren sie auf der für Königstein wichtigen Bündnisseite. In der Folgezeit wurde Königstein zum wichtigen Ober Amt im Herzogtum Nassau, und auch zur Sommerresidenz der herzoglichen Familie. Hier endet unsere Einführung, und unsere Betrachtung der wirtschaftlichen Lage der Nebenerwerbsbauern in Königstein beginnt.

Die wirtschaftliche Lage zu Beginn des 19 Jh. Die Wirren der Kriege nach der Französischen Revolution und die Auflösung von Kurmainz brachte für Königstein eine wirtschaftliche Notzeit. Der Untergang der Festung und der Rückgang des Verkehrs als Einnahmequelle führten zu einer Verarmung der Einwohner. Am Ende des 18 Jh. wurde Königstein als eines der ärmsten Städtchen des Kurfürstentums genannt.  Geringe Erträge der Felder das Fehlen eines Gemeindewaldes werden als Ursachen genannt. 1800 wird für Königstein die Bewohnerzahl von 600 angegeben.  Trotz der schwierigen Situation stieg die Einwohnerzahl bis 1825 auf 1200 Einwohner.  In den Statistiken Hessens wurden Mitte des 18 Jh. 81 Gewerbetreibende in 24 Berufen genannt, 1828 gab es bei 1100 Einwohnern 102 Gewerbetreibende in 29 Berufen, Das bedeutet trotz der Verdoppelung der Einwohner gab es keine merkliche Steigerung der Gewerbetreibenden. Die Versuche der nassauischen Verwaltung, durch Fabrikansiedlungen die Situation zu verbessern, scheiterten. Die Bilanz der Versteigerungen von Gasthäusern, Gewerbebetrieben, Wohnhäusern, Feldern zeigen das Besitz unter diesen Verhältnissen der Stadt nicht erhalten werden konnte. Um 1820 berichtet Demian, dass die Königsteiner hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht und Handwerk leben. Für das Jahr 1831 wird die Erwerbsgliederung folgendermaßen dargestellt. 54 % sind Selbständige und zum kleineren Teil Bauern. Davon ist ein hoher Prozentanteil nicht spannfähig. In dem Bericht werden auch Bauhandwerker erwähnt, die als Wochenendpendler in Frankfurt tätig waren und zu großem Teil auch Nebenerwerbslandwirte waren. Die Größe der landwirtschaftlichen Betriebe war durch Zwergbetriebe gekennzeichnet, mit einer durchschnittlichen Größe von 2-4 Hektar. Als Erwerbsbetriebe werden noch genannt Lohgerberei, Waldarbeit, Gewinnung von Eis in den Eisteichen für Brauereien und Gastwirte. Königstein erlebte zu Beginn des 19 Jh. eine regelrechte Zäsur nach dem Untergang der Festung, dem Verlust der Kur Mainzer Verwaltungseinrichtungen und den Veränderungen des Verkehrs. Diese Veränderungen hatten erhebliche Auswirkungen auf die Erwerbsstruktur ihrer Bürger, und hatten eine Jahrzehnte dauernde Stagnation zur Folge.  Erst durch das Aufkommen des Kurbetriebes entstand ein Aufschwung der auch die Struktur der Einwohnerschaft nachhaltig veränderte.

Die Hofeinfahrten sind noch heute Zeugnisse der landwirtschaftlichen Tätigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die   Mahd

Der Vorgang des Mähens, als auch das Produkt wird als Mahd bezeichnet. Die Mahd wurde von den Königsteiner Ackerbürger als Grünfutter für das
stallgehaltene Vieh verwendet. Die erste Mahd wird im Juni gemacht. Die   zweite Mahd im Früherbst wurde zu Heu getrocknet. Die Mahd führt zu schonender Bewirtschaftung. Durch das Unschneiden der 30-60 vorhandenen Gräser, werden die Gräser von Konkurrenten befreit, die Ihnen möglicherweise Licht und Nährstoffe streitig machen. Würde man nicht mähen, verschwinden die Wiesenpflanzen und die Wiesen Verbuschen. Die verschiedenen Pflanzenarten ziehen für unterschiedliche Tierarten, Schmetterlinge, Tagfalter, Käfer, Heuschrecken,  Grillen, Spinnen, Grasfrösche, Bienen, Vögel als Bodenbrüter an. Gut für die biologische Vielfalt: nicht zu oft zu mähen. Wiesen, die nur ein-, zweimal pro Jahr gemäht und wenig gedüngt werden, zählen zu den artenreichsten und buntesten Lebensräumen. Soviel zur Mahd in ihrer Bedeutung für unsere Ackerbürger. Unsere heute angewendete Mahd dient in ihrem ökologischen Ansatz durchaus den oben genannten Ergebnissen. Obgleich sie natürlich auch als Heu und Tierfutter verwendet werden kann. Wir wollen unsere Wiesen abmagern, das bedeutet das Mähgut muss aufgesammelt werden um nicht den Borden stickstoffreich machen. Stickstoffreicher Boden zieht schnellwachsende Pflanzen an. Wir wollen aber Wildblumen wie Grasnelke, Schlüsselblume, Hahnenfuß, Pechnelke, Kleiner Wiesenknopf, Schafgarbe, Bocksbart, Gänseblümchen, Margerite.

Getreideernte in Falkenstein mi Blick au die Festung Königstein,Anton Radl um 1820

Heuernte im Woogtal gab es noch im 20 Jhdt. Foto um 1940

Unsere Mahd im Woogtal 2023, Foto von Martin Keutner

 

 

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